Spezielle Blutprodukte

Bestrahlte Blutprodukte:

Zur Vermeidung einer Übertragung von vermehrungsfähigen immunkompetenten Lymphozyten (Gefahr einer Graft-versus-Host-Reaktion) bei besonders gefährdeten Patienten sollten alle zellulären Blutkomponenten mit ionisierenden Strahlen behandelt werden. Die empfohlene Dosis beträgt 30 Gy. Es gibt keine Indikation für die Bestrahlung gefrorenen Frischplasmas!


Indikationen für die Bestrahlung von Blutkomponenten:

  • Alle Blutkomponenten aus gerichteten Blutspenden von Blutsverwandten
  • Alle HLA-ausgewählten Blutkomponenten
  • Alle Granulozytenpräparate  

 

Indikationen für die Bestrahlung von Blutkomponenten für die

  • Intrauterine Transfusion
  • Transfusion Neugeborener nach intrauteriner Austauschtransfusion
  • Postpartale Austauschtransfusion*
  • Transfusion von Frühgeborenen (bis zur Vollendung der 37. SSW)*
  • Transfusion von Neugeborenen bei Verdacht auf Immundefizienz
  • Transfusion bei allogener Stammzell-/Knochenmarktransplantation (mindestens 6 Monate nach Transplantation)
  • Transfusion (14 Tage) vor autologer Blutstammzellentnahme
  • Transfusion bei autologer Stammzell-/Knochenmarkstransplantation (mindestens 3 Monate nach Transplantation)
  • Transfusion bei schwerem Immundefektsyndrom
  • Transfusion bei Patienten mit AIDS*
  • Transfusion bei M. Hodgkin (alle Stadien)
  • Transfusion bei Non-Hodgkin-Lymphomen (alle Stadien)
  • Therapie mit Purin-Analoga (Fludarabin, Cladrabin, Deoxycoformycin)
  • Therapie mit Anti-T-Lymphozyten-Antikörpern (Alemtuzumab, ATG/ALG)
  • Transfusion bei Hochdosis-Chemotherapie bei Leukämien, malignen Lymphomen und soliden Tumoren*
  • Transplantation solider Organe*

 

In Tübingen zusätzlich Blutkomponenten für alle

  • Kinder unter 12 Monaten

 

* nicht gesicherte Indikation, keine Empfehlung laut aktuellen Richtlinien der BÄK

Detaillierte Angaben hierzu finden sich in den Richtlinien Hämotherapie und in den Leitlinien der BÄK zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten.

Anti-CMV-Antikörper negative Blutpräparate

Die Auswahl CMV-seronegativer Blutspender für die Gewinnung von leukozytendepletierten  Blutkomponenten (außer Granulozytenpräparate)  zur Vermeidung einer CMV-Infektion wird NICHT mehr empfohlen! (Richtlinien der BÄK)


Da in den hauptsächlich betroffenen Kliniken des UKT (Hämatologie der Medizinischen
Klinik und Kinderklinik) mehrheitlich der Wunsch besteht, besonders gefährdete
Patienten weiterhin mit CMV-AK-negativen zellulären Blutpräparaten zu versorgen, wird sich
die Transfusionsmedizin bemühen, diese Wünsche auch weiterhin, wenn möglich,
zu erfüllen.


Im Notfall und bei Versorgungsschwierigkeiten können den Richtlinien entsprechend ausschließlich leukozytendepletierte Präparate transfundiert werden.

Gewaschene zelluläre Blutprodukte

Bei Antikörpern gegen IgA  müssen die zellulären Blutprodukte gewaschen werden, um die Anteile an Spenderplasma zu reduzieren. Diese Spezialprodukte werden nur auf Anforderung hergestellt und bedürfen einer vorherigen Absprache.

HLA-kompatible Thrombozytenkonzentrate

Die Gabe von HLA- oder Plättchenantigen-kompatiblen THK von Einzelspendern ist bei Patienten mit Vorimmunisierung gegen die entsprechenden Antigene des HLA oder HPA-Systems unabdingbar, um einen Thrombozytenrefraktärzustand zu verhindern bzw. zu beheben.

Hier ist zwingend eine möglichst frühzeitige Absprache mit der Blutspendezentrale notwendig, da diese Präparate gezielt hergestellt werden müssen. Kontaktieren Sie bitte  unsere Dienstärzte in der Blutbank oder unser HLA-Labor.

Kryokonservierte Erythrozytenkonzentrate:

Für Patienten mit komplexen Antikörper-Gemischen oder mit Antikörpern gegen hochfrequente Antigene steht unter Umständen nur sehr selten ein passendes Erythrozytenkonzentrat zur Verfügung.

Damit solche Patienten im Bedarfsfall schnell und mit einer ausreichenden Zahl an Präparaten versorgt werden können, werden Erythrozytenkonzentrate von Blutspendern mit besonders seltenen Blutgruppeneigenschaften mittels einem speziellen Verfahren haltbar gemacht und in spezialisierten Blutbanken tiefgefroren gelagert.